Naef-Spielzeug in der Therapie

Blog Artikel Dezember 2018

Kinder entwickeln in den ersten fünf Lebensjahren einen Grossteil ihrer elementaren Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sie eignen sich ihre Umwelt aktiv an, lernen greifen, gehen, sprechen und werden zunehmend selbständig. Oft verläuft dieser Prozess wie von selbst. Werden aber Schwierigkeiten oder Verzögerungen diagnostiziert, kann die Heilpädagogische Früherziehung mit fördernden Massnahmen und gezielt eingesetzten Spielmaterialien Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Da in der Therapie u.a. auch Naef-Spielzeug benützt wird, interessiert uns, wie eine Förderung im Spiel aussieht und wie eine Heilpädagogische Früherzieherin arbeitet.

Interview mit der Heilpädagogischen Früherzieherin Nicole Lasagni

Nicole Lasagni arbeitet seit 2003 als Heilpädagogische Früherzieherin bei „zeka“, einer Institution, die sich für Menschen mit Körperbehinderungen einsetzt. In ihrer Tätigkeit unterstützt und fördert Nicole Lasagni Kinder im Vorschulalter, die in ihrer allgemeinen, besonders aber in ihrer körperlichen Entwicklung verzögert oder gefährdet sind. Ausserdem berät sie die Eltern. Nicole Lasagni (54) ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Sie wohnt in Zofingen (Aargau/Schweiz).

Welche Schwierigkeiten haben die Kinder, die Sie behandeln?

Eltern oder Fachleute aus dem Frühbereich kontaktieren uns, wenn sie merken, dass ihr Kind in seiner Entwicklung gegenüber Gleichaltrigen deutlich abweicht. Zu dieser frühkindlichen Entwicklung gehören neben den grobmotorischen auch die feinmotorischen Grundfertigkeiten wie Wahrnehmen, Fixieren eines Gegenstandes, Greifen, Hand-Augenkoordination, Manipulation von Gegenständen. Sehr oft erhalten wir die Anmeldung zur heilpädagogischen Abklärung und Betreuung von den ortsansässigen Kinderärzten bzw. von einem Kinderspital, nachdem beim betreffenden Kind eine Entwicklungsauffälligkeit diagnostiziert wurde.

Was ist das Ziel der Heilpädagogischen Früherziehung?

Das Ziel ist immer, das Kind in seiner Selbsttätigkeit zu fördern, damit es am Leben teilnehmen und Selbstwirksamkeit erfahren kann. Dazu müssen wir bei jedem Kind den Entwicklungsstand bestimmen und das nächst liegende Ziel definieren, an dem wir dann gemeinsam arbeiten.

Welches Spielzeug von Naef verwenden Sie für Säuglinge?

Für Säuglinge sind die Greiflinge von zentraler Bedeutung. Nach dem Schauen und Fixieren des Gegenstandes kommen die ersten Greifversuche und das orale Erkunden. Später kann das Kind den Gegenstand von einer Hand in die andere wechseln und auch loslassen. Besonders gefällt mir das Dolio. Es lässt sich sehr gut greifen und mit seinen bunten Kugeln, die sich zwar wegbewegen, aber nicht hinunterfallen, bietet es ein besonderes Erlebnis für Kinderhände. Es verhält sich zuverlässig immer gleich, aber doch eigensinnig genug, um anregend zu sein.

Was eignet sich für etwas ältere Kinder?

Ein Spiel, das ich in der Therapie gerne einsetze, ist das Ligno. Bauklötze sind für die Entwicklung generell wichtig, aber dieses Spiel bietet mit seinen gegensätzlichen Formen (rund und eckig), den Würfeln und Zylindern, die ineinanderpassen und auseinandergleiten können, zusätzliche Herausforderungen beim Konstruieren und ist daher für verschiedene Altersklassen geeignet. Auch der speziell geformte Naef-Stein ist ein interessantes Bauelement und lässt sich gut mit Ligno kombinieren. Beide Spiele haben eine angenehme Haptik, die Bausteine sind weder zu glatt noch zu rau und durch ihre Farbigkeit attraktiv. Zu meinen Arbeitsmaterialien gehört auch das Mosaik. Dabei geht es darum, Reihen zu legen oder nachzubauen, Farben und Muster zu unterscheiden. Um die Geschicklichkeit zu fördern, setze ich gern das Schnurpfelpony ein.

Welche Rolle spielt das Material?

Holz ist wunderbar zum Anfassen und für die Kinder der heutigen Plastikwelt besonders wertvoll. Überhaupt ermöglicht die Auseinandersetzung mit natürlichen Materialien wie Holz, Steine, Erde, Sand wichtige Grunderfahrungen. Auch Knete ist ein interessanter Werkstoff für Kinder.

Wie läuft eine Stunde in der Therapie ab?

In der Regel gehe ich zum Kind nach Hause. Die Sequenz dauert ca. 60 Minuten und ist strukturiert. Ich bereite mich auf jedes Kind vor, d.h. ich weiss, wo es in seiner Entwicklung steht und welcher nächste Schritt ansteht. In meiner Tasche habe ich passendes Material dabei, meist etwa vier verschiedene Sachen. Es kann aber auch sein, dass ich mal ein Spielzeug der Familie dazu nehme. Nach einem Begrüssungsritual gebe ich dem Kind beispielsweise eine Schachtel mit Bausteinen, die es öffnen und auspacken darf. Ich lasse es eine Weile spielen, dann lenke ich seine Aufmerksamkeit auf einen besonderen Aspekt, z.B. auf eine Farbe oder eine Form. Ich steuere die Aktivität des Kindes, so gut es geht. Um den ausgewählten Aspekt zu vertiefen, setze ich zusätzlich Bilderbücher ein oder lasse das Kind zum Thema zeichnen. Dabei ist es für die Sprachförderung wichtig, jeweils über das zu sprechen, was gerade passiert. Wenn aus einer Konstruktion plötzlich das Schloss eines Drachens wird, freut mich das, denn das Ansprechen des Vorstellungsvermögens fördert zusätzlich die Sprachentwicklung.
Zum Abschluss der Therapie erfolgt jeweils ein kurzer Informationsaustausch mit dem anwesenden Elternteil.

Was genau wird durch das verwendete Spielzeug gefördert?

Die Spiele von Naef eignen sich erstmal sehr gut für orales und visuelles Erkunden sowie besonders für die Entwicklung und Förderung der Handfertigkeit und der Augen-Hand-Koordination. Später kommt das Erlernen des Bauens dazu. Mit den verschiedenartigen Bauteilen ist vom einfachen Turm bis hin zu komplexen dreidimensionalen Gebilden alles möglich. Kinder erlernen durch das Explorieren der Gegenstände viel über physikalische Gesetzmässigkeiten. Durch Einfüllen und Ausleeren, durch Aneinanderreihen und Stapeln machen sie erste Erfahrungen mit konkreten Mengen. Das hilft ihnen, so die Grundfähigkeiten z.B. für Mathematik zu entwickeln. Im kommunikativen Austausch mit anderen Kindern und Erwachsenen über das Gebaute und dabei Erlebte wiederum erweitern sie ihre sprachlichen Fähigkeiten. Dies passiert umso mehr, wenn die Kinder ihre Fantasie ausleben können.

 Wie wichtig ist Spielen für die kindliche Entwicklung?

„Spielen ist die Arbeit des Kindes“, sagte einst Maria Montessori. D.h. im Spiel lernt das Kind fürs Leben und entwickelt motorische und kognitive Fertigkeiten. Ein Kind sollte oft die Gelegenheit haben, frei und selbstbestimmt zu spielen und die Welt zu erforschen. Ganz wichtig ist auch das Spielen mit anderen Kindern. Sie lernen voneinander. Erwachsene können Inputs oder Unterstützung geben, wenn ein Kind nicht weiterkommt. Gemeinsames Tun ist besonders wertvoll und fördert eine gute Beziehung.

Was sollten Eltern bei der Wahl des Spielzeugs beachten?

Die Spielsachen sollten vom Material her anregend und von den Möglichkeiten her vielfältig sein. Auch Alltagsgegenstände eignen sich im Übrigen bestens zum Spielen. Beim Handy bin ich skeptisch. Meiner Meinung nach gehört es nicht in Kinderhände. Tippen und Wischen, die Bewegungen, die auf dem Bildschirm gefragt sind, sind Fertigkeiten, die das Kind quasi von Anfang an beherrscht, da wird nichts gefördert. Mag sein, dass der Spassfaktor gegeben ist, aber Lernprozesse laufen in diesem Alter eben anders ab.

Wie können Eltern ihr Kind fördern?

Indem sie gezielt Zeit mit ihm verbringen, ihm Aufmerksamkeit schenken und mit ihm kommunizieren, d.h. über das sprechen, was gerade passiert, auch über Gefühle. Weiter ist wichtig, das Kind in Kontakt mit anderen Kindern zu bringen. Eltern sollten ihrem Kind oft Gelegenheit für das freie Spiel geben und natürliche Materialien zur Verfügung stellen, die es berühren kann, denn begreifen kommt von Greifen. Der forschende Umgang mit Material regt Lernprozesse an. Ganz wichtig ist, dass die Eltern das Tun anerkennen und nicht das Resultat in den Vordergrund stellen. Auf keinen Fall sollten sie Perfektion erwarten, denn mit der Perfektion kommt für das Kind oft die Langeweile oder die Überforderung.

Über „zeka“ (zentren körperbehinderte aargau)

Zeka sorgt im Kanton Aargau (Schweiz) seit 1966 für die Förderung und Betreuung von Menschen mit Körperbehinderungen oder Entwicklungsverzögerungen. Ziel ist deren grösstmögliche Förderung, Selbständigkeit und Integration.

In zwei Tagesschulen (Aarau und Baden) werden Kinder mit Körperbehinderungen vom Kindergarten bis zur Oberstufe unterrichtet und therapeutisch betreut. Daneben gibt es die ambulanten Angebote: Säuglinge und Kleinkinder werden mit pädagogisch-therapeutischen Massnahmen gefördert, Kinder und Jugendlichen erhalten Hilfe bei der Integration in Regelkindergärten und Regelschulen und Erwachsene mit Körperbehinderungen werden in den Bereichen Wohnen, Beschäftigung, Arbeit und Ausbildung unterstützt.

www.zeka-ag.ch